Mit meiner schönen MéganE hatte ich vor 14 Tagen eine besonders ärgerliche und aufgrund der Umstände ziemlich komplizierte Reifenpanne. Nun haben Reifenpannen ohnehin nicht das Potenzial, für gute Laune zu sorgen. Die hier geschilderte war aber besonders nervig:
- Es waren gleich zwei Reifen betroffen
- Ich war unterwegs auf einer Langstrecke und noch 300 km vom Ziel entfernt
- Es geschah an einem Samstag Abend fern der Heimat
- Ich war mindestens (mit-)schuld
Aber klar: Wann und wo denn auch sonst...
Was war passiert? Baustelle vor eine Brücke auf städtischem Gebiet (Zwischenziel), aus zwei Fahrspuren wurde eine. Links war der aufgegrabene Bordstein mit einer scharfkantigen Metallplatte abgedeckt. Nach seitlichem Kontakt mit deren Seite bei Tempo 40 waren beide Reifen links aufgeschlitzt.
Das war insofern meine Schuld, als ich nicht so weit links hätte fahren dürfen. Sicher war es ebenfalls keine Heldentat der Bauarbeiter, welche diese Konstruktion derart kreuzdämlich dort installiert haben

. Aber die Hauptschuld trage ich, keine Frage.
Natürlich sofortiger vollständiger Luftverlust auf beiden Reifen. Das Auto warnte ebenso schnell akustisch und optisch in beiden Displays mit den im Wechsel rot unterlegten Meldungen
"Reifenpanne!" und (was ich besonders bemerkenswert fand)
"Riss entdeckt!". Vermutlich erscheint letzteres, wenn ein Druckverlust schlagartig eintritt.
Zum Glück war nur schätzungsweise 250 Metern weiter ein öffentlicher Parkplatz, auf den ich mich im Schritttempo vorsichtig retten konnte, um die Straße zu räumen. Nun hatte ich die Wahl:
- Goodyear-Reifenversicherung (beim Kauf des Reifensatzes im Kaufpreis enthalten)
- Renault-Mobilitätsgarantie (wird bei jeder Inspektion verlängert) oder
- Schutzbrief meiner Kfz-Versicherung (18 Euro/Jahr)
Ich entschied mich für die Reifenversicherung. Ein Fehler, denn damit begann eine sehr nervige Telefon-Odyssee

. Die genannte Notrufnummer war nämlich nicht besetzt, weil Samstag.
Die alternativ aufgeführte Notrufzentrale des AvD war zwar besetzt, doch wusste man dort absolut nichts von einer Kooperation mit Goodyear. Ich wanderte telefonisch von Mitarbeiter zu Mitarbeiter, wurde nach Wartezeit zurückgerufen, es eskalierte so vor sich hin. Brachte aber alles nichts: AvD nix zuständig, auch wenn ausdrücklich so ausgewiesen:
Wie mir eine Woche später in einer E-Mail von der Reifenversicherung mitgeteilt wurde, sei diese Kooperation (Zitat)
"bereits vor Jahren ausgelaufen", im unterschwelligen Tonfall
"Das hätten Sie doch wissen müssen". Selbstverständlich hätte ich das weder wissen müssen noch können und die eigens gedruckte Karte, auf welcher der AvD als Notfallkontakt von Goodyear aufgeführt ist, war erst 10 Monate alt.
Wenn die Kooperation seit Jahren

nicht mehr besteht, wieso...? Dysfunktionaler Dienstleistungs-Käse halt, wie heutzutage nicht selten

. Meinen Unmut habe ich gegenüber der Goodyear-Versicherung höflich, aber unmissverständlich geäußert und man hat mir versprochen, dies zu korrigieren. Vielleicht bewahrt es andere nach mir vor ähnlich nervigen Erlebnissen.
Denn: Bei Dunkelheit am Wochenende in einer fremden Stadt, weit von Ziel und Heimat entfernt mit einer sonst charmanten, hier aber hungrigen, genervten und aufs Klo müssenden Beifahrerin stundenlang an der Seite hat man auf so einen blöden Scheiß absolut gar keine Lust

.
Mein nächster Versuch galt dem Schutzbrief meiner Versicherung. Der ist für die jährlichen 18 Euro doch ausgesprochen umfangreich, aber wie bei fast allen Fahrzeug-/Mobilitäts-Garantien, Anschlussgarantien, Versicherungen und dergleichen sind die stolz aufgeführten Leistungen als ODER zu verstehen: Hotel ja, dann aber keine Zugfahrkarte und kein Mietwagen. Fahrkarte ja, dann aber kein Hotel und auch nur Oneway, also keine Rückfahrkarte. Mietwagen ja, dann aber kein Zugticket. Und einen Mietwagen gibt es nur für drei Tage, was in diesem Fall (Samstag) bedeutet: Schon am Montag muss er wieder zurückgegeben werden.
Wegen des vielen Gepäcks - die MéganE war randvoll - entschied ich mich trotzdem für einen Mietwagen. Nach geschlagenen drei Stunden (2 Stunden 55 Minuten) kam ein von der Schutzbrief-Notrufzentrale beauftragter Abschlepper, der mein Auto auf einen Unternehmens-eigenen Abstellplatz in einem abgelegenen Industriegebiet schleppen wollte.
Mich und meine Beifahrerin wollte er nicht mitnehmen und das Auto auch nur dann, wenn ich ihm im Vorhinein (!) auf einem Tablet mit Unterschrift bestätige, dass es beim Transport meines Wagens nicht zu Schäden gekommen ist. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als die MéganE noch völlig unberührt auf dem Parkplatz stand.
Das mit der Unterschrift vorab musste ich hinnehmen und es war mir einigermaßen egal: Juristisch wäre das im Streitfall nicht haltbar gewesen und meine Begleitung hätte nötigenfalls bezeugt, dass mein Auto vor dem Transport unbeschädigt war und ich zur Vorab-Unterschrift genötigt wurde. Es ist aber erwartungsgemäß nichts passiert. Im Gegenteil: Für jemanden, der das tagaus, tagein unter großem Zeitdruck macht, ging der Abschleppmann sehr professionell, umsichtig, sorgfältig und ohne jede Hektik ans Werk.
Viel problematischer fand ich da schon das vorgesehene Schleppen auf einen Abstellplatz. Wozu, was sollte das bringen? Wer repariert dann in der Folgewoche mein Auto, wie kommt es von dort zu einer Werkstatt, was kostet das mehrtägige Abstellen auf dem Platz, was kostet der zweite Transport etc.
Ich musste also mitten in der Nacht in dieser für alle unangenehmen Situation sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, um den Abschlepper von seinem Plan abzubringen und ihn zu überreden, dass er mein Auto stattdessen zur nächsten Renault-Vertretung (im Nachbarort) schleppt und uns beide mitnimmt. Das war nicht einfach. Wir haben ihn zu zweit so lange von beiden Seiten verbal gepestet, bis er genervt zugestimmt hat.
Das hätte freilich auch schiefgehen können. Es hat aber geklappt und dort angekommen habe ich die Schlüsselkarte in den dafür vorgesehenen Kasten eingeworfen, meine Telefonnummer hinter die Scheibe gelegt und ein Taxi gerufen, um das ganze Geraffel umzuladen.
Das Taxi entpuppte sich glücklicherweise als E-Klasse-Kombi, die haben bekanntlich große Kofferräume und auch wenn der Fahrer knurrte, hat mit halbseitig umgelegter Rückbank alles reingepasst. Er brauste mit uns über die nächtliche Autobahn zur nächsten um diese Zeit (21:30 Uhr) einzigen noch offenen Mietwagen-Firma. Natürlich genau in der Richtung gelegen, aus der wir kamen. Die Taxifahrt dorthin kostete geschmeidige 70 Euro, der Schutzbrief wird davon auf Antrag hoffentlich 50 rückerstatten.
Wir erhielten - von der Schutzbrief-Notrufzentrale bereits professionell organisiert - wenige Minuten vor Geschäftsschluss einen Opel Mokka, Benziner, 8-Gang-Automatik. Die Automatik, um es vorwegzunehmen, ist sogar ganz ausgezeichnet (Respekt, Stellantis!) und der Verbrauch war halbwegs akzeptabel. Vieles andere wie das Infotainment (Brrrr

), die Instrumente, der sehr kleine Kofferraum etc. eher nicht.
Ich musste ganz schwer Tetris spielen, um unser Gepäck irgendwie unterzubringen und eine Reisetasche musste sogar in den Beifahrer-Fussraum. Aber ich will nicht undankbar sein: Der Mokka hat uns auf Schutzbrief-Kosten problemlos durch die weitere Nacht und viele Stunden später an unser Ziel gebracht.
Am nächsten Arbeitstag waren die drei vom Schutzbrief abgedeckten Mietwagen Tage auch schon wieder vorbei (Samstag, Sonntag, Montag - das sind 3 Tage). Toll. Ich musste frühmorgens aus der Ferne der Renault-Werkstatt erstmal erklären, was los ist. Dann musste ich dafür sorgen, dass der Werkstatt-Mann dem Schutzbrief-Versicherer irgendwie bestätigt, dass das Auto
nicht am selben Tag fertig wird.
Auf so etwas steht Montags Morgens - ohne Vorwarnung, ohne Terminabsprache und für einen Fremdkunden - natürlich jeder Werkstatt-Chef, völlig klar. Daher: Lieber Herr K. vom hiesigen Renault-Autohaus, ohne Sie wäre das alles noch unerfreulicher verlaufen. Vielen Dank für die freundliche und professionelle Abwicklung.
Dank Herrn K. hat mir der Schutzbrief-Versicherer den Mietwagen auf Schutzbrief-Kosten noch ein paar Tage verlängert und ich gab ihn danach bei der nächsten Europcar-Niederlassung ab. Insgesamt bin ich mit dem Opel Mokka 720 km flott über die Autobahnen gefahren, selbst zu zahlende Spritkosten 70 Euro. Das entspricht einem moderaten Verbrauch von unter 6 Liter/100 km, was für einen nicht-hybridisierten Automatik-Benziner unter den geschilderten Umständen völlig in Ordnung geht.
Fortan war ich an meinem Ziel ohne Auto. Das war dort auch nicht unbedingt nötig, für die spätere Rückfahrt allerdings schon.
In der Zwischenzeit schickte ich dem Renault-Mann die Daten meiner Goodyear-Reifenversicherung, damit diese wenigstens die beiden Räder bezahlt. Er hat das auch tatsächlich versucht, musste mir dann aber resigniert mitteilen, dass das nur funktioniert, wenn alles von dem Autohaus abgewickelt wird, bei dem seinerzeit die Reifen gekauft wurden.
Liebe Leute von Goodyear, es tut mir echt leid, dass ich die Reifenpanne nicht direkt im Hof oder wenigstens auf der Straße direkt vor der Werkstatt hatte, bei der die Reifen gekauft und montiert wurden. Das hätte so vieles vereinfacht, aber dummerweise - es geschah einfach woanders

. Tja, der Teufel ist ein Eichhörnchen.
Ich musste also erstmal in Vorleistung treten (520 Euro Bar, keine Kredit-/Debit-Karten akzeptiert) und werde nun versuchen, mir wenigstens die Kosten der beiden Reifen (450 Euro) nachträglich wieder zurückzuholen. Aber ich greife bereits vor.
Denn erstmal war diese Reifengröße als GJR und mit festgelegtem Fabrikat selbstverständlich nirgendwo auf Lager. Es hat fast zehn Tage (!) gedauert, die Reifen zu besorgen. In der Zwischenzeit war ich weit weg ohne Auto, aber glücklicherweise kam ich damit klar und konnte alles terminlich so hinwurschteln, dass es einigermaßen gepasst hat. Anderenfalls wäre alles sehr viel teurer geworden, weil ich dann mindestens 5 Tage einen Mietwagen selbst hätte bezahlen müssen.
So aber musste ich nur für die Rückfahrt einen auf eigene Kosten mieten. Wegen des bei uns üblich auch auf der Rückfahrt zwar anderen, aber ebenso umfangreichen Gepäcks entschied ich mich kurzentschlossen für einen Hochdach-Kombi, einen Mercedes Citan. Das ist nichts anderes als ein verkleideter Renault Kangoo, aber immerhin mit dem in diesem Modell zwar abgespeckten, aber dennoch ganz ausgezeichneten MBUX-System von Mercedes. Das mochte ich schon immer, es ist wirklich gut.
Der Renaudes (oder Mernault?) hat seine Sache gut gemacht. Er fuhr im Rahmen seiner Möglichkeiten als Diesel mit einem 7-Gang-DSG munter, unauffällig und sparsam. Und das Beste: Endlich mal richtig, richtig viel Platz fürs Gepäck. Ich mietete nämlich einen 2-Sitzer mit abgetrenntem Laderaum, da muss man kein Tetris mehr spielen. Es passte richtig was rein; super, so was könnte ich viel öfter brauchen! Das Auto hat bei "Enterprise" mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung 120 Euro pro Tag gekostet, plus 27 Euro Diesel auf knapp 400 km.
Das erstattet natürlich niemand: Die Reifenversicherung zahlt nur die Reifen, der Schutzbrief keinen zweiten Mietwagen und natürlich auch keinen Sprit. Aber passt schon, die 18 Euro/Jahr für den Schutzbrief kann ich trotzdem nur empfehlen: Die amortisieren sich im Pannenfall schon nach wenigen Sekunden, denn allein das Abschleppen ist richtig teuer.
Obwohl ich sowohl mit dem Opel Mokka als auch mit dem Mercedes Citan als Mietwagen gute Erfahrungen gemacht habe, war ich heilfroh, nach zehn Tagen mit vier dichten Reifen hinter dem Steuer meiner Mégane sitzen zu dürfen.
Die ist halt so im Vergleich schon ziemlich Klasse; ein völlig unterschätztes, sparsames und erfreulich kompaktes E-Auto, welches ich auch nach fast 3 Jahren nur weiterhin empfehlen kann. Allerdings nicht als Neuwagen, denn die Preisvorstellungen von Renault (übrigens auch für R4 und R5) halte ich für arg überzogen. Wobei sie sich damit in schlechter Gesellschaft befinden.
Grüße, Egon